|
Peking - Zehn Gesichter einer Stadt
| | |
Story
Peking enthält 10 Kurzgeschichten von 10 unterschiedlichen Autoren, die in ihren Geschichten verschiedene Gesichter der Stadt zeigen. Alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit, denn alle Geschichten stehen in Verbindung mit der Olympiade 2008, die in China stattfand. Vor dem Beginn jeder Geschichte gibt es ein kleines, aber sehr informatives Vorwort von Alain Wang, Chefredakteur von Asia Magazine. Das allgemeine Vorwort wurde von der China-Expertin Françoise Hauser geschrieben. Zur Abrundung des Ganzen wurde das Nachwort von dem chinesischen Ausnahmekünstler Benjamin geschrieben, der auch einige Illustrationen zu diesem Werk beigetragen hat. Unter anderem hat er das Coverbild gemalt.
>>Nicht sehr zivilisierte Pekinger<<
Liu ist ein Mädchen, welches mit ihrem Großvater zusammenlebt. Beide leben in einem traditionellen Hutong (traditionelles Wohnviertel in Peking, mit flachen Häusern und umzäunten Hinterhöfen, in denen sich das komplette Leben der Familie abspielt) und sind von der Bedrohung durch den Abriss des Viertels bedroht, da Platz für das Stadion zur Olympiade geschaffen werden muss. Lius Großvater tut sich schwer mit den ganzen Gesetzesänderungen, wie zum Beispiel das Verbot, nicht mehr mit freiem Oberkörper herumzulaufen. Dies dient einzig und allein dem Zweck, die angereisten Ausländer nicht abzuschecken. Für den Großvater ein unsinniges Verbot, für Liu jedoch sehr wichtig. Um ihren Großvater endlich zu zeigen, dass er nicht weiter so herumlaufen kann, möchte sie ihm einen Denkzettel verpassen...
>>Der Wunschkasten<<
Pang ist ein kleiner und sehr dicker Junge, der von allen gehänselt wird. Von seiner Mutter bekommt er zu hören, dass sie sehr stolz auf ihn wäre, wenn er zur Olympiade 2008 als Fackelträger mitmachen würde. Sein Vater betrachtet die Situation realistisch und sagt Pang auch, dass er wohl viel zu dick ist um jemals als Fackelträger mit zulaufen. Doch Pang möchte sich nicht unterkriegen lassen und von nun an eine Diät halten. Er schreibt zudem einen Brief an sein älteres Ich und schließt diesen Brief in einen Wunschkasten ein, den er erst zur Olympiade öffnen möchte. Wird er sein Ziel erreichen und abnehmen können?
>>Fisch<<
Yu ist ein kleines Mädchen und hegt den Traum Schwimmerin zu werden. Natürlich mit dem großen Ziel bei der Olympiade mit zu schwimmen. Das Problem dabei ist nur, dass sie ein Hinkebein besitzt und sie deswegen kein Schwimmverein aufnehmen möchte. Auch ihr Großvater lässt sie nicht in einem öffentlichen Bad schwimmen, überlegt sich aber für dieses Problem eine Lösung. Zu Hause befestigt er an einem Baum ein Seil, bindet Yu daran fest und kann ihr das Schwimmen in den Lüften beibringen. Ob Yu das helfen wird?
>>Zerplatzte Träume<<
Für den Protagonisten dieser Geschichte ist Tischtennis sein Leben. Durch das ständige Üben mausert er sich immer mehr zu einem wahren Tischtennis-Meister und kann schon etliche Pokale sein Eigen nennen. Als er eines Tages den chinesischen Juniorenmeister besiegt, wird er übermütig und feiert seinen Erfolg in der darauf folgenden Nacht. Betrunken fährt er mit einem Mädchen auf dem Motorrad durch die Nacht und baut einen Unfall, als er freihändig fährt. Bei diesem Unfall werden seine Sehnen der rechten Hand durchtrennt, was für ihn das Aus seiner Tischtennis-Karriere bedeutet. Gibt es noch Hoffnung für ihn?
Das waren noch längst nicht alle Geschichten, denn sechs weitere erwarten euch!
Fazit
Peking ist ein Sonderband im Sonderformat, mit zehn wunderbaren Kurzgeschichten. Alle auf ihre Art und Weise besonders. Wer sich ein wenig mit China befasst hat, wird in den Kurzgeschichten die Thematisierung vieler Probleme erkennen, die nicht explizit erwähnt werden. Das wichtigste wird jedoch vor jeder Kurzgeschichte von Alain Wang erläutert. Somit kann der Leser die Geschichte um einiges besser verstehen, lernt aber auch so interessante Dinge aus der chinesischen Geschichte. In seinem Nachwort erwähnt Benjamin, dass sich alle zehn Autoren auf die Olympiade 2008 freuen und diese Freude und den Jubel in den Geschichten äußern. An dieser Stelle wird der Leser denken ,,Halt! Wieso Freude, wenn die Geschichten so negative Aspekte beinhalten?". Das mag im ersten Augenblick ein Widerspruch sein, allerdings war die Olympiade 2008 in China ein nicht ganz problemloses Projekt. China hat zwar somit seine Chance bekommen sich der Welt zu zeigen, sich zu öffnen und die Modernisierung voranzutreiben, doch musste es dafür einige Verluste in Kauf nehmen. Die Chinesen, allen voran die Pekinger, mussten sich an viele neue Gesetze gewöhnen, die teilweise absurd wirken, wegen der vorausgehenden Angst sich nicht perfekt zu präsentieren. Als Beispiel dient hierfür das Gesetz aus der Geschichte Nicht sehr zivilisierte Pekinger. Abgesehen von den Gesetzen ist der größte Verlust wohl der Verlust alter Traditionen, wie den Hutongs. Diese werden von der Regierung für neue Wolkenkratzer abgerissen. In diesem Buch vor allem aber für die Olympiade 2008. Die Autoren zeigen somit, dass dieses freudige Ereignis, für die Olympiade ausgewählt worden zu sein, nicht reibungslos ab lief, aber dennoch die Menschen sich freuten, da dies als die große Chance angesehen wurde.
Abgesehen vom Inhalt, begeistern die Geschichten natürlich auch durch ihren einzigartigen Zeichenstil. Dadurch das verschiedene Autoren beteiligt sind, ist die Vielfalt der Zeichenstile groß. Kein Stil ähnelt dem anderen und jeder von ihnen sticht durch etwas anderes besonders hervor. Nach den Kurzgeschichten gibt es von jedem Zeichner nochmal Illustrationen zu den Geschichten. Das Schlusslicht bildet Benjamin mit seinem Nachwort und den eigens für dieses Buch entworfenen Illustrationen. Ein gelungener Abschluss, wie ich finde. Für 19,95 € bekommt ihr auf Hochglanzpapier präsentierte Geschichten, die Peking aus der Sicht von Betroffenen zeigt. Diese 19,95 € sind es allemal wert! ;-)
© Chiara © Xiao Pan / TOKYOPOP GmbH
Wir danken TOKYOPOP für die Zusammenarbeit und die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
|
|
|
Weitere Informationen
|

Zurück
|
| Autor: |
| Chiara |
| Geschrieben: |
| 14.11.2009 / 13:47 |
| Druckansicht: |
Anzeigen |
| Kommentare: |
| Lesen (0) |
| Bände: | | Einzelband | | Empfohlen ab: | | 15+ | | Herausgebracht: | | Frankreich 2008/ Deutschland 2009 | | ISBN: | | 978-3-86719-738-0 | | Originalverlag: | | Xiao Pan | | Preis: | | 19,95 € [D]/ 20,80 € [A] | | Verlag: | | Tokyopop | | Zeichner: | | Ji An, Liang Yi, Liu Wei, Nie Jun, Cheng Cheng, Jian Yi, Zou Jian, Lu Ming, Song Yang, Wang Huan, Benjamin |
|
|